Ninjutsu - Eine kurze Einführung

Ninjutsu ist die Jahrhunderte alte Kunst der Ninja. Ninja waren im japanischen Mittelalter hoch ausgebildete Krieger für Sonderaufträge und wurden insbesondere als Kundschafter, Agenten, Leibwächter oder Militärberater eingesetzt. Einige von ihnen waren aber auch Gelehrte und Mystiker.

So lehrt das Ninjutsu zum einen ein breit gefächertes Kampfverhalten mit und ohne Waffen, Methoden zur Entwicklung des Körpers und Kultivierung der inneren Energien, sowie Übungen zur Schulung der Intuition und Lenkung des Geistes. Zum anderen kann Ninjutsu auch als Kunst und Weg zur Selbstfindung und Bildung einer reifen Persönlichkeit gesehen werden.

Schwerpunkte des Anfängertrainings

Anfänger beginnen mit der Schulung des eigenen Körpergefühls und der Koordination. Dazu werden unterschiedliche Techniken des Rollens, Springens und Bewegens unterrichtet. Gleichzeitig lernt der Anfänger erste Abwehr-, Schlag- und Tritttechniken sowie Befreiungen gegen Haltegriffe und Hebel.


Fortgeschrittene Übungen

Mit zunehmendem Fortschritt lernen die Übenden zusätzlich Methoden des Fallens, fortgeschrittene Roll- und Sprungtechniken, Würfe, Angriffe zu Vitalpunkte des menschlichen Körpers, aber auch Übungen zur Kultivierung der vitalen Energie.


Waffen

Neben dem waffenlosen Kampf lernt der Übende den Umgang mit verschiedenen Waffen und Gegenständen. Anfänger werden sehr früh in der Handhabung des kurzen Stockes unterrichtet. Je nach Fortschrittsgrad kommen Techniken mit dem langen Stock, dem Schwert, flexiblen Waffen oder der Lanze hinzu. Ein weiterer wichtiger Aspekt im Training ist die waffenlose Verteidigung gegen einen bewaffneten Gegner.

Yamamichi ryū ninjutsu ist die Ninjutsu-Auffassung des Budo Studien Kreises vertreten durch die Ninjutsu-Lehrer des Budokan Bensheim. Das System basiert auf Methoden des taijutsu, ninjutsu und bujutsu, ergänzt durch shōtōkan kenpō karate, den chinesischen Gesundheitslehren (qìgōng) und der geistigen Weglehre (dō). Yamamichi ryū ninjutsu ist eine Kampfkunst, die eine umfangreiche körperliche und geistige Ausbildung mit und ohne Waffen beinhaltet. Seit 1991 unterrichten wir im Herzen der „Bergstraße“ die Tradition des Ninjutsu. Daraus leitet sich der Name unseres Konzeptes dieser Kampfkunst ab. Yama heißt übersetzt Berg und steht symbolisch für ein stabiles Fundament, eine gute Grundlage und eine solide Basis. Michi, was auch als Dō gelesen werden kann, bedeutet Weg, Lehre, Kunst, Methode oder Wahrheit, kann aber auch mit Pfad oder Straße übersetzt werden. Ryū heißt übersetzt Stilrichtung, Tradition oder Schule. Nin steht für Verheimlichen oder Verstecken, wird aber auch mit Ertragen oder Aushalten übersetzt. Jutsu bedeutet Technik, Kunst oder Fertigkeit. Mit ninjutsu bezeichnen wir die Kampfmethode der Ninja, die eine Kunst des sich Versteckens und Tarnens ist, aber auch eine Kunst, die den Schüler mit Geduld, Ausdauer und Beharrlichkeit ausstattet. Sinnbildlich steht yamamichi ryû ninjutsu für eine Ninjutsu-Schule, die ein solides körperliches, geistiges und technisches Fundament lehrt. Yamamichi ryū ninjutsu ist unsere Basis auf dem Pfad des Ninjutsu.

Ein Kern der Ninjutsu Übung bildet das Taijutsu ("die Kunst, den Körper zu beherrschen"). Der Schüler lernt, ein Gefühl für seinen Körper zu entwickeln, sich natürlich zu bewegen und seinen Körper effektiv einzusetzen, damit er sich in einer Gefahrensituation mit dem ganzen Körper verteidigen kann. Im Bereich der geistigen Ausbildung wird der Aufmerksamkeit und Anpassungsfähigkeit viel Wert beigemessen, um das Erkennen von möglichen Gefahrensituationen zu schulen und diesen angemessen begegnen zu können.

Zur Schulung der Anpassungsfähigkeit zählt dabei auch die Fähigkeit, unterschiedliche Gegenstände als Waffe einzusetzen. So wird aufbauend auf den Bewegungen des Taijutsu auch der Umgang mit Waffen und anderen Gegenständen geübt.

Ninjutsu kann man mit "die Kunst des ausdauernden Herzens" übersetzen. Dies bezieht sich auf die physische und psychische Ausdauer des Ninjutsu-Übenden. Durch das Training lernt der Schüler, körperliche Anstrengungen durchzuhalten, Stress mit Geduld zu begegnen und in gefährlichen oder überraschenden Situationen mit seinen Emotionen umzugehen.

Was beinhaltet das Yamamichi Ryu Ninjutsu?

Das Ninjutsu umfasst ein breites Kampfkunstspektrum. Es beinhaltet Rollen, Fallen, Hebel, Befreiungen aus Haltegriffen, Abwehr-, Schlag-, Tritt- und Stoßtechniken, Würfe und den Umgang mit verschiedenen Waffen. Das Ninjutsu setzt sich zusammen aus unbewaffneten und bewaffneten Kampf.

In der Grundschule (Kihon) werden alle Techniken mit der Zielsetzung geübt, die größtmögliche Energie zu entwickeln, aber auch einzelne Bewegungen bis ins kleinste Detail genau zu studieren und die optimale Form in das Gefühl übergehen zu lassen.

In den Varianten (Henka) lernt der Schüler die Grundtechniken auf reale Selbstverteidigungssituationen anzupassen und einzusetzen. Hier lernt der Schüler die Grundtechniken in den verschiedensten Situationen zu gebrauchen und anzuwenden.

Im Ninjatraining sind viele Übungen zur Kontrolle, Beweglichkeit, Stärkung und Koordination des gesamten Körpers enthalten. Aber Ninjutsu enthält auch viele andere Übungsprinzipien wie Tarnen, Schleichen, lautloses Bewegen und Klettern...

In den verschiedensten Partnerübungen wird der Ninja vom abgesprochenen - bis hin zum freien Kampf geführt. Die Techniken werden immer erst einzeln geübt und im Laufe der Zeit zu vielfälltigen Kombinationen erweitert (z.B. Schlagtechniken mit Hebeln oder Würfe mit Schlagtechniken).

Im Folgenden finden Sie die wichtigsten Inhalte unseres Ninjutsusystems.

Unbewaffnete Methoden

Taijutsu (unbewaffneter Kampf)

Das Taijutsu ist ein Begriff, der im Ninjutsu für die waffenlosen Übungen gebraucht wird. Taijutsu bedeutet "mit dem Körper kämpfen" und ist somit ein Überbegriff für alle Techniken. Hat man den waffenlosen Kampf gemeistert, sind die Bewegungen des Taijutsu problemlos in den bewaffneten Kampf zu übertragen.

Taihenjutsu (Kunst der Körperbewegungen)

Hierunter fallen die Techniken des Rollens und Fallens, die im Ninjutsu bereits in den ersten Stunden eingeführt werden. Der Übende bildet somit ein umfangreiches Körpergefühl aus und schult seine Koordination. Diese Techniken sind Grundlagen des Ninjutsu, da sie immer wieder zum Selbstschutz benötigt werden. Weiter werden verschiedene Körperhaltungen, Sprungtechniken und Schrittbewegungen im Taihenjutsu gelehrt.

Jutaijutsu (Befreiungen, Hebel und Würfe)

Jutaijutsu ist der Überbegriff für alle "sanften Techniken" im Ninjutsu. Diese Sanftheit bedeutet keineswegs Schwäche, sondern Flexibilität von Körper und Geist. Dieser Bereich umfasst Befreiungen, Hebel und Würfe. Besonders Befreiungen aus Haltegriffen und Hebel bilden hierbei einen großen Teil des Ninjutsu und werden bereits sehr früh geübt. Würfe werden erst später gelehrt, nachdem die Fallschule beherrscht wird.

Ken (Schwert)

Das Schwert hat für die moderne Selbstverteidigung auf der Straße keine große Bedeutung mehr. Im Training bietet der Schwertkampf aber eine hervorragende Geistes- und Konzentrationsübung. In den Anfängerstufen werden schon die ersten Ausweichübungen gegen Schwertangriffe gelehrt. Die echten Schwerter werden hierbei durch Holzschwerter ersetzt, um Verletzungen zu vermeiden.

Dakentaijutsu (Abwehr, Schläge und Tritte)

Das Dakentaijutsu beinhaltet dagegen die "harten Techniken" des Ninjutsu. Hierunter fallen Schlag-, Stoß-, Tritt- und Abwehrtechniken. Diese werden nochmals unterteilt in Techniken zu den Muskeln, zu den Knochen und zu empfindlichen Körperstellen. Die Techniken zu empfindlichen Körperstellen werden jedoch erst in fortgeschrittenem Stadium häufiger trainiert.

Gyokko ryu Kosshijutsu (Muskelangriffe)

Im Kosshijutsu werden die Block- und Kontertechniken mit sehr großer Wucht und Präzision auf die Muskelpartien des Körpers ausgeführt. Häufig verwendet werden hierbei Daumenstiche, Handkantenschläge, Faustrückenblocks und Fersentritte. Die Absicht des Kosshijutsu ist es, einem Agressor so starke Schmerzen beizubringen, dass er keinen weiteren Angriff riskiert, aber nicht dauerhaft geschädigt wird. Im Training werden die Techniken entschärft geübt, um die Lust am Training zu erhalten!

Karatejutsu (Kunst der leeren Hand)

Im Yamamichi ryu ninjutsu werden auch Prinzipien des Kenpo Karate gelehrt. Dabei bietet das Karatejutsu ein zum Kosshijutsu ergänzendes Verständnis (z.B. durch die verschiedenen Arten der Kraftübertragung).

Kihon (Grundschule)

In den Grundschulübungen werden alle Techniken wiederholt und verfeinert. Die Übung findet ohne Partner statt, um den Übenden die Möglichkeit zu geben, sich besser auf sich selbst konzentrieren zu können und mögliche technische Fehler zu verbessern. Es werden ALLE spezifischen Techniken geübt und auch in schwierige Kombinationen zusammengetragen, um neben der Energieentwicklung in der Technik auch die Koordination und Flexibilität zu steigern.

Kata (überlieferte Formen)

Kata sind Abläufe von aneinander gereihten Kihon-Kombinationen. Es sind Überlieferungen alter Meister, die sie vor langer Zeit gründeten, um Ihren Schülern das eigene Kampfkonzept näher zu bringen. Sie beinhalten sinnvolle Kombinationen, die in der richtigen Anwendung ideal zur Selbstverteidigung verwendet werden können. Darüber hinaus sind in jeder Kata energetische Momente, die zur Gesunderhaltung und zur Förderung der vitalen Energie beim Ausübenden führen.

Kumite (Partnerübung)

Die Partnerübung kann die unterschiedlichsten Formen annehmen. Für Anfänger sind sie meist abgesprochen und dienen dem Ziel, das Distanzgefühl, den Rhythmus und das Timing zu verbessern und dazu eine konzentrierte innere Haltung in sich selbst zu schaffen. Mit steigendem Fortschritt werden die Übungen immer freier und realistischer. Der Abstand zum Partner wird in drei verschiedene Distanzen unterteilt, wobei man mit der weiten Distanz beginnt und mit steigender Fortschrittsstufe in die mittlere und nahe Distanz übergeht.

Qigong (Übungen zur Stärkung der vitalen Energie)

Innerhalb der gymnastischen Aufwärmphase verwenden wir Elemente des Qigong. Diese chinesische Heilgymnastik stärkt die vitale Energie. Bei korrekter und regelmäßiger Übung besitzt sie sehr viele positive Effekte für den Menschen. Qigong steigert die Konzentrationfähigkeit, verbessert das allgemeine Wohlbefinden und macht den Körper geschmeidig. Hierdurch wird der Übende körperlich und geistig optimal auf die weiteren Trainingsabschnitte vorbereitet.

Geschichte des Ninjutsu (stark zusammengefasst)


Der Ursprung des Ninjutsu ist nur schwer zu definieren und von Geheimnissen umgeben. Als geistige Väter betrachtet man die kriegerischen Bergpriester in Zentraljapan.

Durch die ständig herrschenden Kriege in Japan wurde der Bedarf an Agenten, Kundschaftern und Militärberatern geweckt. Die Ninja waren gezwungen, ihre Methoden und Techniken im Geheimen zu üben. So entwickelte sich das Ninjutsu unter strenger Geheimhaltung.

Im 14. Jahrhundert begannen sich die Ninja in Clans zu organisieren. Das stärkste Ninja-Aufkommen gab es in der Iga und Koga Region. Nach der Einigung Japans im 17. Jahrhundert verringerte sich der Bedarf an Ninja, wodurch sich die meisten Stile auflösten.
Die übrigen Ninja wurden in den Polizeidienst übernommen oder als Leibwache der Fürsten eingesetzt.

Etwa Anfang der 70-er Jahre fiel der Schleier der Geheimhaltung, und langsam begann die Verbreitung des Ninjutsu. Einen enormen Aufschwung erfuhr es vor allem durch verschiedene Filme. Ninjutsu wird heute weltweit geübt (auch im Budokan Bensheim).

Natürlich werden hierbei keine Spione mehr ausgebildet, sondern es dient der Kräftigung des Körpers und dem geistigen Ausgleich.