Die "digitale Selbstverteidigung" ist ein Bestandteil der Selbstbehauptungsseminare für Kinder im Budokan.

 

Was ist #DigitaleSelbstverteidigung?

#DigitaleSelbstverteidigung behandelt den Umgang mit digitalen Medien wie bspw. das richtige Verhalten im und mit dem Internet. Das Internet ist eine eigene, aber mitunter gefährliche Welt gleich einem tiefen Ozean. Kinder können dort ohne die Unterstützung ihrer Eltern schnell abdriften oder gar untergehen.

In der digitalen Selbstverteidigung lernen die Kinder verschiedene Aspekte der digitalen Welt kennen. Wir versuchen für die Gefahren zu sensibilisieren und Hilfestellungen zu geben, um sich vor gefährlichen Situationen schützen kann.

Zugleich wissen wir aber: Es sind Kinder! Und daher ist dieser "Beipackzettel" für die Eltern als Unterstützung gedacht: Wir erklären hier einige Hintergründe, die Euren Kindern helfen, sicher mit digitalen Medien umzugehen.

Er spricht die verschiedenen Themenbereiche an und beinhalten auch ein paar Empfehlungen für Euch Eltern 🙂

 

 

Was ist/sind...?

  • Digitale Medien sind alle Dienste, Anwendungen, Angebote etc. die auf digitalen (=elektronischen) Weg bereit gestellt werden. Digitale Medien werden über verschiedene Geräte zur Verfügung gestellt: Dies sind Computer, Smart-TV, Smartphones, Tablets etc.
  • Das Internet ist - vereinfacht gesagt - ein großes Netzwerk aus vielen Computern (Servern). Es ist unterteilt in verschiedene Bereiche und bietet verschiedene Funktionen, wie bspw. Homepages, E-Mail, Chats (=Unterhaltungen) etc.
  • Integrität bedeutet, dass bspw. Angaben über mein Chatpartner stimmen und ich ihm vertrauen kann.
  • Die Verfügbarkeit beschreibt, dass mir bspw. Informationen zur Verfügung stehen, mit denen ich sicherstellen kann, dass ich die Integrität der Informationen bestätigen kann und somit der Person auch vertrauen kann.

 

Online sein...

'Online sein' bedeutet eine aktive Verbindung mit dem Internet zu haben, Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten 'online' zu sein: War es früher eine Kunst, ein Modem zum Laufen zu bekommen, so ist heute jedes moderne Smartphone oder Tablet quasi standardmäßig mit dem Internet verbunden. Aber auch PC, Smart-TV etc. sind zunehmend dauerhaft online.

 

Das richtige Alter für digitale Medien?

Diese Frage kann man nicht pauschal beantworten: Für die meisten sozialen Medien, wie bspw. Facebook, Instagram, etc. ist als Mindestalter 13 Jahre festgelegt. WhatsApp hat aktuell ein Mindestalter von 16 Jahren.

Das bedeutet, dass ein jüngeres Kind den Dienst gar nicht nutzen darf (/dürfte); Es liegt in der Verantwortung der Eltern!

Anmerkung: Das Amtsgericht Bad Hersfeld hat Eltern für die Verletzung dieser Vorgaben schon mal belangt (Az. F 361/16 EASO).

 

Freunde in den digitalen Medien

Unsere Kinder definieren Freunde und Freundschaften anders als wir Erwachsenen. Daher sehen Kinder andere Menschen viel leichter als Freunde an. Diese Offenherzigkeit hat viele Vorteile, birgt aber gerade in den digitalen Medien die Gefahr, an die falschen Freunde zu geraten.

Klärt daher ab, wer mit Eurem Kind digital befreundet sein darf.

Stellt mit Eurem Kind hierzu Regeln auf, ein paar Beispiele sind hier aufgezählt:

  1. Das Kind muss den 'Freund' persönlich kennen, bspw. aus der Schule, aus dem Sportverein oder Verwandte.
  2. Die digitale Freundschaft muss mit den Eltern abgesprochen sein; Wird das Kind von einem neuen 'Freund' angesprochen, so darf die Anfrage erst nach Erlaubnis der Eltern angenommen werden.
  3. Die Eltern kontrollieren regelmäßig die Freundesliste und besprechen diese mit dem Kind.
  4. Kann ein potentieller 'Freund' nicht sicher identifiziert werden, sollte er gelöscht bzw. geblockt werden, bis die Identität zweifelsfrei sichergestellt ist.

 

Wie geht man mit Informationen, Bildern etc um?

Grundsätzlich ist es immer gut, "so wenig wie möglich, so viel wie nötig" preis zu geben.

Das bedeutet zum einen, dass Ihr mit Eurem Kind besprechen müsst, welche Informationen es von sich in welcher Form bei sozialen Diensten oder auf anderen Onlineplattformen angibt bzw. angeben darf.

Gibt es wie bspw. bei Facebook oder Instagram die Möglichkeit, den Zugriff auf das Benutzer-Konto (auch "Profil" genannt) zu beschränken, so sollte unbedingt davon Gebrauch gemacht werden. Besprecht, was die Kinder - wenn überhaupt- mit anderen Teilen dürfen.

Cyber-Kriminelle nutzen unbedachte Informationen immer aus!

 

Ganz wichtig

Auch Ihr Eltern solltet nicht einfach Bilder von und Informationen über Eure Kinder im Internet veröffentlichen!

Zum einen gilt die Regel "das Internet vergisst nicht" und manches Lustige kann später für das Kind eher peinlich sein oder gar für Cybermobbing genutzt werden! Zum anderen birgt manche Bild die Gefahr, andere als die gewollten Personengruppen anzusprechen.

 

Wie kann ich digitale Geräte schützen?

Neben den Regelungen im Umgang mit den digitalen Medien, sind auch Regelungen zum Schutz des Smartphones, Tablets etc. wichtig.

So sehr man Informationen in einem sozialen Profil schützen kann, so verwundbar sind sie auf dem Gerät selbst.

Daher ist es wichtig, bspw. PIN oder Kennwörter für Smartphones einzurichten, die Ihr Eltern natürlich auch kennen müsst!

Sog. Wischmuster zum Entsperren von Smartphones sind gerne genommen, aber unter Umständen auch ziemlich unsicher:

  • Stellt bei Wischmustern sicher, dass das Muster bei der Eingabe nicht auf dem Display dargestellt wird.
  • Das Display sollte regelmäßig kontrolliert werden: Wischmuster können Spuren auf dem Display hinterlassen.
  • Bei der Eingabe sollte einem - wie auch bei PIN/Passwort keiner zuschauen. Wenn doch, sollten PIN/Passwort geändert werden (in Absprache mit den Eltern!)

Diese Aufzählung ist selbstverständlich nicht vollständig, sie soll lediglich als Beispiel dienen.

 

Vertrauen ist gut, ...

Gerade wenn Euer Kind eigenständig Zugriff auf ein (eigenes?) Gerät hat, ist es wichtig, dass Eurem Kind klar ist: Das Privileg "digitale Medien" gibt es nur mit der Option, dass Ihr als Eltern jederzeit kontrollieren dürft.

Wichtig ist, dass Ihr Euren Kindern vertraut und auch darauf vertrauen könnt, dass sie in 'komischen' Situationen auf Euch zukommen.

 

Was ist Cybermobbing?

Der Begriff "Cybermobbing" kommt aus dem Englischen und ist als "Mobbing unter Zuhilfenahme von elektronischen Hilfsmitteln" definiert. "Mobbing" (manchmal auch als "Bullying" bezeichnet) selbst umfasst verschiedene Formen von Verleumdung, Belästigung, Bedrängung und/oder Nötigung von anderen Menschen.

In der heutigen Zeit kann man sagen, dass Cybermobbing die Steigerung von Mobbing darstellt, da durch mobile Geräte ein sich-entziehen kaum noch möglich ist, was für den Betroffenen (= Opfer) noch zermürbender ist als Mobbing ohnehin schon ist!

 

Wie entsteht (Cyber-)Mobbing?

Cybermobbing kann zum einen als Steigerung von Mobbing entstehen. Hinzu kommt gerade bei Kindern/Jugendlichen, dass sich (Cyber-) Mobbing aus einem vermeintlichen Witz heraus entwickeln kann. Hier spielt die Gruppendynamik eine entscheidende Rolle; es artet bspw. in eine Art von Wettbewerb aus, wer noch einen draufsetzen kann. Oder eine einzelne Person / eine Gruppe versucht sich hierdurch zu profilieren.

 

Welche Folgen kann (Cyber-)Mobbing haben?

Die Folge von (Cyber-)Mobbing sind bspw. soziale Isolation ("Zurückziehen", "Einigeln", ...), Stress oder psychische Probleme (Angststörungen, Panikattacken, ...).

Im Extremfall kann sich ein Opfer auch selbst umbringen!

Anmerkung

Leider aktuellster Fall ist ein elfjähriges Mädchen aus Berlin, das im Suizid ihren einzigen Ausweg aus dem Mobbing sah.

 

Was kann man gegen (Cyber-)Mobbing machen?

Als Eltern ist es wichtig, sein Kind zu beobachten und frühzeitig auf Anzeichen zu achten. In Verbindung mit einem gewachsenen Vertrauen zwischen Kind und Eltern hinsichtlich der Nutzung von digitalen Medien kann frühzeitig der Anfang von Mobbing erkann werden. Im Weiteren sind hier Schule, Verein und im äußersten auch die Polizei einzubinden.

Wichtig

Sollte Euer Kind von (Cyber-)Mobbing betroffen sein, ist es nicht ratsam das Kind hinsichtlich der Herausgabe von entsprechenden Nachrichten etc. unter Druck zu setzen: Euer Kind hat schon genug Druck, es braucht einen Ruhepol - Euch!

Erkennt man, dass andere Personen Opfer von (Cyber-)Mobbing sind, so ist auch hier rasches handeln notwendig: Sprecht die Eltern oder die Schule an. Sprecht auch noch einmal mit Eurem Kind, dass es sich ggf. nicht daran beteiligt.

 

Was ist Cybergrooming?

Unter "Cybergrooming" versteht man, dass Personen (meist Kinder / Jugendliche) im Internet angesprochen werden, um bspw. sexuellen Missbrauch zu begehen oder vorzubereiten.

Man Unterscheidet hier zwischen online und offline Missbrauch: beim "online Missbrauch" wird bspw. sog. "Sexting" über den Chat betrieben und/oder das Opfer wird dazu verleitet, 'anzügliche' Fotoaufnahmen von sich anzufertigen oder sexuelle Handlungen an sich vorzunehmen und dieses zu fotografieren/filmen, um das entstandene Foto- und/oder Video-Material dem Täter zur Verfügung zu stellen.

Hieraus entsteht im Anschluss meist eine Erpressungssituation, aus der heraus das Opfer zu weitern Handlungen genötigt wird.

Diese Handlungen können sowohl Beschaffung von weiterem Material, Nennung von Bekannten/Freunden, Aufforderung zu einem Treffen, Forderungen nach Geld etc. sein.

 

Als "offline Missbrauch" wird in diesem Zusammenhang der Missbrauch des Opfers durch den Täter, bspw. bei einem gemeinsamen Treffen bezeichnet. Ein solches Treffen kann auch auf Basis einer Erpressung durch vorherigen online Missbrauch erzwungen werden.

 

 

Wo geschieht Cybergrooming?

Cybergrooming findet über verschiedene Kommunikationswege statt. In der Regel beginnt Cybergrooming in einem textbasierten Chat, wie Messenger von sozialen Medien (Facebook-Messenger, WhatsApp, etc.) oder über Spiele durch sog. In-Game-Chats, wie sie bei vielen Online-Spielen mittlerweile zur Verfügung stehen. Zudem können auch Video-Streaming-Plattformen wie bspw. Skype genutzt werden.

 

Wie verläuft Cybergrooming?

Man unterscheidet beim Cybergrooming verschiedene Phasen, die aufeinander aufbauen. Je nach Ausgangssituation (Soziale Medien oder Onlinespiele) kann eine Phase hinzukommen, und je nach Täter können Reihenfolge variieren oder Phasen ausgelassen werden:

  1. (Onlinespiele) Support (="Unterstützung") des Spielers (= späteres Opfer) durch den Täter
  2. Ansprache durch den Täter
  3. Aufbauen von Vertrauen
  4. Überleitung in andere Kontaktform
  5. Grooming
    1. Bilder / Video
    2. Erpressung
    3. Treffen

 

Wieso klappt Cybergrooming?

Das Internet erlaubt es jedem, in eine Rolle zu schlüpfen, hinter der er sich verstecken kann. Dies schafft eine Maskierung, die mitunter nicht leicht zu durchschauen ist.

Es sind Täter bekannt, die sich als etwa gleichaltriges Kind ausgeben, um das Vertrauen zu gewinnen. Gerade Profile von sozialen Medien erlauben es, sog. Fake-Profile anzulegen, hinter denen sich nicht die vermeintlichen Personen befinden.

Andere Maschen sind, dass sich der Täter als Model- / Fußball- / ... -Scout ausgibt, um auf Basis der Interessen des Kindes einen Zugang zu bekommen. Oder der Täter findet sein Opfer in Onlinespielen, wobei er oftmals im Vorfeld als uneigennütziger Helfer agiert, um sich hieraus einen Grund für eine Ansprache zu schaffen.

 

Komische Situationen?

Im Umgang mit den digitalen Medien kann man ebenso wie im realen Leben in Situationen kommen, die einem ein komisches - nicht lustiges - Gefühl bescheren.

Kinder haben dieses Gefühl auch - mal mehr, mal weniger stark und entsprechend reagieren sie mehr oder weniger darauf.

Wann eine Situation 'komisch' oder gar bedrohlich ist, kann ein Kind aber gerade im Umgang mit digitalen Medien oftmals noch nicht so gut einschätzen, da hier die Erfahrungswerte fehlen. Hinzu kommt, dass ein möglicher Täter weiß, wie er aufkommendes Misstrauen zerstreuen kann.

 

Findet sich Euer Kind in einer Situation, in der er/sie der Meinung ist, dass etwas nicht so ist, wie es sein soll, und Euch darauf anspricht, müsst Ihr schnell handeln: Lasst Euch den Grund zeigen und besprecht mit Eurem Kind alles, was im Zusammenhang damit stehen könnte (bspw. Chatverläufe, auch aus anderen Chats).

Lasst Euer Kind mit seinem Gefühl nicht alleine, sondern prüft gemeinsam mit dem Kind, ob dieses Gefühl berechtigt ist.

 

 

Gemeinsam oder einsam?

Das Internet wird gerne mit einem Ozean verglichen: Es gibt einen Strand, an dem man entlanglaufen kann, um sich die Wellen anzusehen. Es gibt seichte Stellen, an denen man in das Wasser laufen kann. Diese Stellen gehen über in Plätze, wo man schwimmen kann, aber immer noch stehen. Und es gibt die Stellen, an denen der Grund immer mehr nach unten verschwindet.

Eine Person, die nicht schwimmen kann, lässt man nicht ohne Sicherheitsmaßnahmen an die tiefen Stellen - schon gar nicht alleine...

Analog hierzu ist es ratsam, sein Kind nicht gänzlich alleine mit den digitalen Medien zu lassen.

Es hilft, sich einen Plan zu überlegen, wie man sein Kind an digitale Medien heranführt. Was darf mein Kind in welchem Umfang und wie lange? Darf es das alleine und begleite ich es? Wenn ich es nicht begleite, habe ich technische Maßnahmen getroffen, dass es nicht in Bereiche kommen kann, die es noch nicht alleine betreten darf?

Alle diese Fragen solltet Ihr für Euch und mit Eurem Kind geklärt haben, bevor es mit irgendeinem Gerät in die Welt der digitalen Medien eintaucht.

 

Empfehlungen für Eltern

#DigitaleSelbstverteidigung ist eine Partnerübung, das bedeutet Eure Kinder brauchen einen Partner: Euch!

Daher gilt:

  1. Lasst Euer Kind niemals alleine die digitale Welt erkunden:
    Nehmt Euch die Zeit und besucht neue Seiten etc. mit Euren Kindern, bevor Ihr sie alleine lasst.
    Richtet ggf. Schutzmaßnahmen ein.
  2. Trefft Absprachen hinsichtlich des Umgangs mit neuen (digitalen) Freundschaften Eures Kindes
  3. Habt ein offenes Ohr und schickt Euer Kind nicht weg, wenn es mit einer Frage oder einem anderen Anliegen zu Euch kommt.
  4. Trefft Absprachen, dass Ihr regelmäßig den Umgang Eures Kindes mit digitalen Medien prüft (Chats, besuchte Seiten im Internet etc.)
  5. Sprecht mit Euren Kindern über die Erlebnisse, die sie in der digitalen Welt erfahren haben.
  6. Begrenzt die Zeit, die Euer Kind bspw. im Internet oder mit Spielen, Lernprogrammen etc. verbringen darf.
  7. Achtet darauf, ob sich Euer Kind Anzeichen auf Mobbing zeigt

 

Weitere Informationen

Hilfsstellen

Sicherheit im Internet

Cybermobbing

Cybergrooming

 

Noch Fragen?

Ansprechpartner für das Thema #DigitaleSelbstverteidigung ist Mathias Aust.