Karate ist eine asiatische Kampfkunst, deren Wurzeln viele Jahrhunderte bis nach China und Japan zurückreichen. Neben Methoden der Selbstverteidigung und der Geistschulung beinhaltet Karate auch Bewegungen, die der Gesunderhaltung und Stärkung des Körpers dienen. Alle diese Aspekte zusammen ermöglichen es dem Übenden, Karate als eine Kunst zu verstehen und seine Persönlichkeit weiterzuentwickeln.

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Die meisten Menschen denken, sie kennen Karate. Jedoch wissen die wenigsten, dass man im Karate alle Techniken und Taktiken, die zur Selbstverteidigung nötig sind übt.

Viele Techniken, die in modernen Kampfsportarten wie z. B. Mixed Martial Arts ausgeführt werden, wurden schon seit Jahrhunderten im ursprünglichen Karate geübt. Es gibt darin Würfe, Hebel, Bodenkampf, den Einsatz von Knie, Ellbogen und sogar dem Kopf. Im Karate werden enorm starke Schlag, Stoß und Trittechniken entwickelt und im Techniktraining ist ein Gesundheitssystem verankert.

Viele dieser Techniken wurden jedoch aus dem modernen Wettkampfkarate entfernt, damit die Teilnehmer an Turnieren keine bleibenden Schäden davon tragen. Es blieb noch ein kleiner Technikanteil übrig, den die viele Menschen heute als Karate kennen, der jedoch nicht das wahre Karate mit seinem enormen Umfang und Reichtum repräsentiert…

Neugierig geworden? Dann lesen Sie weiter, wie wir hier im Budokan-Bensheim Karate betreiben.

Anfänger beginnen mit klassischen Karate-Techniken des Abwehrens, Schlagens und Tretens, erlernen jedoch von Anfang an ein neues Konzept von Spannung und Entspannung im Körper. Diesem Konzept wird sehr viel Zeit und Geduld gewidmet, da es die Basis für eine effektive Technik und zugleich die geistige Beherrschung einer Gefahrensituation ist.

Von Anfang an lernen die Übenden auch, mit den verschiedensten Distanzen umzugehen, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf der Übung des Nahkampfes liegt. Hier greifen die erweiterten Konzepte des Kenpo Karate.

Entsprechend den Fortschrittsstufen lernen die Übenden nicht nur Faust- und Fußtechniken, sondern auch Formen des Greifens, Würgens, Stechens, Hebelns, des Angreifens von verletzlichen Punkten, bis hin zur Lehre über die Vitalpunkte des menschlichen Körpers. Die Atmung spielt im Konzept des Kenpo Karate eine wichtige Rolle. Sie verbindet Geist und Körper in den Handlungen.

Karate ist eine okinawanische Kampfkunst, deren Wurzeln viele Jahrhunderte bis nach China und Japan zurückreichen. Auf der kleinen Insel Okinawa, ursprünglich unter verschiedenen Bezeichnungen als okinawanische Kriegskunst entwickelt, fand es Anfang des 20 Jarhunderts seinen Weg nach Japan und wurde von dort aus als Kampfsport in der ganzen Welt verbreitet.

• Tōde (唐手) – Früher bezeichnete man die unbewaffnete Kriegskunst der Okinawaner mit dem Kanji für tō (唐 China) und fügte das Zeichen te (手 Hand oder Technik) hinzu. Die Lautung der Schriftzeichen bedeutete tōde (唐手 China-Hand), da es sich um eine Kombination des okinawanischen te (手 Hand oder Technik) mit dem chinesischen quánfǎ (拳法) handelte.Die Ära (ab dem 15. Jh.) der okinawanischen Kriegssysteme hielt bis zum philosophischen und ideologischen Einfluss des chinesischen quánfǎ auf die okinawanischen Systeme an. Durch diesen Einfluss entwickelten sich die okinawanischen Kampfsysteme zur Kampfkunst.

• Okinawate (沖縄手) – In der einheimischen Sprache uchinādi (Hand / Technik aus Okinawa), ist okinawate eine Weiterentwicklung des tōde zur okinawanischen Kampfkunst. Das System erhielt im 18. Jahrhundert medizinische und philosophische Impulse aus dem quánfǎ und begann sich früh in shōrin ryū (shurite und tomarite) und in shōrei ryū (nahate) zu teilen.

• Karate (空手) – Den Begriff karate verwendet man erst seit 1905, auf eine Empfehlung von Hanashiro Chōmo. Das bis Anfang des 20. Jahrhunderts verwendete Schriftzeichen (唐) kann man sowohl als kara als auch tō aussprechen, was beides „fremd“ oder „chinesisch“ bedeutet. Im Chinesischen steht das Schriftzeichen tō für die Tang-Dynastie und symbolisiert eine enge Verbindung der okinawanischen Kampfkunst mit dem chinesischen quánfǎ.Nachdem die okinawanische Kampfkunst zunächst unter der einheimischen Bezeichnung tōde jutsu nach Japan gelangte, änderte Funakoshi Gichin das Schriftzeichen 唐 (sino-japanischen Lesung tō) in 空 (japanische Lesung kara) um. Beide kanji können als kara gelesen werden, das chinesische Zeichen aber steht für „China“, das japanische bedeutet „leer“.

• Karatedō (空手道) – Der Begriff karatedō (Weg der leeren Hand) entstand im Zuge der Versuche von Kanō Jigorō, das japanische bujutsu (Technik der Krieger) in budō (Weg der Krieger) zu verwandeln. Anfangs mit hohen Zielen wurde der Weg (dō) durch die Entstehung des Wettkampf-Karate verwässert. Im Sport-Karate gibt es kein dō. Heute steht der Begriff ausschließlich für die Stile des Kampfsports.Übrig blieb ein reduziertes Technikpaket, das den Möglichkeiten des Sporttreibens und Wettkämpfens angemessen ist. Das im Begriff enthaltene dō ist in der Praxis nicht zu finden.


Grundkonzepte der okinawanischen Systeme

Für all jene, die heute karate üben, ist das Studium und Verständniss seiner geschichtlichen Zusammenhänge von Bedeutung, da erst dadurch der enorme Umfang dieses Systems sichtbar wird. Weniger der Stil, als der unterrichtende Lehrer ist wichtig. Ist er in der Lage, karate als Ganzes zu unterrichten oder beschränkt sich sein Unterricht lediglich auf Sport-Karate.Vorab zu wissen ist, das karate (unter der Bezeichnung tōdejutsu) ehemals eine Kriegskunst war, sich danach als okinawate zur Kampfkunst entwickelte und in Japan zum Wettkampfsport (karatedō) wurde. All diese Systeme tragen zum Verständnis des karate bei:

• Karate als Kriegskunst (tōde)Karate als Kriegskunst ist ein System zum schnellen Töten des Gegners. Das „scharfe Schwert“ richtet sich ausschließlich gegen den Feind auf dem Schlachtfeld, Ethik und Hinterfragung fehlen. Noch im Zweiten Weltkrieg wurden maximale Wirkungen des karate für das Schlachtfeld aufbereitet, in der heutigen Zeit werden sie in allen militärischen Spezialeinheiten der Welt trainiert und verwendet.

• Karate als Kampfkunst (okinawate)Karate als Kampfkunst unterscheidet sich von der Kriegskunst lediglich durch die Veränderung seiner Ziele. Das „scharfe Schwert“ bleibt scharf, richtet sich aber nicht mehr gegen den Feind, sondern gegen das eigene Ich. Auf einem philosophischen Weg (dō) des Kriegertums (bu) wird die Fähigkeit zur maximalen Wirkung (ikken hissatsu) der Kontrolle des Selbst unterstellt. Unter ethischen Aspekten wird „das Schwert scharf gemacht“ und der Übende in die Verantwortung seiner Handlungen (mosshōseki) genommen. Auf keine andere Weise kann Persönlichkeit durch Kampftraining entstehen.

• Karate als Kampfsport (karatedō)Karate als Kampfsport ist ein von den oben Genannten abgeleitetes System mit maximaler Vereinfachung. Hier wird das „Schwert entschärft“, damit kein Schaden angerichtet werden kann. Wer nicht wirken kann, muss auch nicht achten. Mit dem, was übrig blieb wurde eine japanische Sportart mit atemi (Schlagen, Stoßen, Treten und Abwehren) gegründet, die sich unter Beachtung fester Regeln auch als Wettkampf eignet.Diese Methode des karate teilt sich vorab in mehrere japanische Stile, von denen shōtōkan ryū, gōjū ryū, shitō ryū und wadō ryū die wichtigsten sind. Obwohl diese Stile Wettkampf betreiben werden sie als traditionell betrachtet und als karatedō bezeichnet, was ihrem Inhalt in keiner Weise entspricht.Der Wettkampf braucht weder realistische Kampfverfahren noch eine philosophische Weglehre, sondern lediglich ein einfaches und angepasstes Technikpaket, mit dem zwei Kontrahenten nach vorgegebenen Regeln in einem Wettbewerb gegeneinander antreten können. Als Wettkampfsport verbreitete sich karate um die Welt, doch Kampfsport ist weder bujutsu noch budō.

Grundsysteme des Übens

Nachdem die okinawanischen Systeme 1921 nach Japan gelangten, entstanden unter der Aufsicht des butokukai vollkommen veränderte Auffassungen, die später unter der Bezeichnung karatedō als Sport und Wettkampf weltweit verbreitet wurden. Der Name ist wohlgemeint, die Inhalte sind jedoch falsch. Weder im Sport noch im Wettkampf findet man die komplexen Inhalte der alten okinawanischen Kampfkünste wieder und schon gar kein dō (Weg).Im Budo Studien Kreis findet diese moderne Spielweise für die Massen keine Anwendung. Wir betrachten karate als eine Methode der Selbstperfektion, sowohl im körperlichen, wie auch im psychischen Bereich. Karate ist für uns ein Begleiter durchs Leben, ein Objekt des Selbststudiums, ein nie endender Prozess des Werdens. In diesem Sinn entstand das shōtōkan kenpō karate (SKK).

Weltweit bekannt wurde Karate als Sport. Hierzu hatte man gefährliche und besonders schwierige Techniken ebenso entfernt wie die meisten Methoden der Geistschulung. Auch das Karate im Budokan beruht auf einem dieser Stile, der sich "Shotokan" nennt. Er wurde in den 60er Jahren als Wettkampf-Sportart auch in Europa verbreitet.

Sensei Werner Lind, der Gründer des Budokan und des Budo Studien Kreises, hat diesen Stil durch Kombination mit den alten chinesischen Elementen der Kampfkunst (Kenpo ist das japanische Wort für "Kung Fu") technisch und inhaltlich erweitert. Er enthält nun wieder die alten Prinzipien der Selbstverteidigung ohne technische Begrenzung auf "erlaubte Techniken" und die Prinzipien der Ganzkörperbewegung mit ihren gesundheitlichen Aspekten.

Daher kommt sein Name Shotokan Kenpo Karate (SKK).

Im SKK werden Würfe, Hebel, Bodenkampf, Techniktraining, Freikampf, Abhärtung und vieles mehr geübt. In das Techniktraining ist ein Gesundheitssystem integriert, wie es im Qi Gong oder anderen asiatischen Lehren vorhanden ist.

Wir betreiben Karate zur Selbsverteidigung und gehen nicht auf Wettkämpfe. Die Schüler im Budokan haben die Möglichkeit zusätzlich zum Techniktraining einen geistigen Weg mit sich zu gehen. Sich in Verantwortung und Stärke gleichermaßen zu üben.

Zusätzlich zum Waffenlosen Kampf, können sich unsere Mitglieder auch mit den traditionellen Waffen des Karate beschäftigen. Diese gehören schon seit je her zur Ausbildung im Karate. Im Shotokan Kenpo Karate lernt jeder den Umgang mit dem Langstock (Bo). Weitere Waffen können bei Interesse aber noch zusätzlich ausgeübt werden.

Karate ist ein moderner Oberbegriff für die Konzepte und Methoden einer alten Selbstverteidigung von Okinawa, die über die Jahrhunderte verschiedene Bezeichnungen hatte. Okinawa ist die Hautinsel einer südpazifischen Inselgruppe (Ryūkyū-Inseln), die seit jeher unter dem Einfluss von Japan und China stand. Entsprechend entwickelten sich die Okinawanischen Kampfsysteme zunächst unter dem Einfluss des bujutsu (Japan), danach des quánfǎ (China), erreichten aber ab dem 19. Jahrhundert eine eigene Identität. Die geschichtliche Reihenfolge der okinawanischen Systeme wird folgend dargestellt:

  1. Tegumi 手組 (12. Jahrhundert)Der Begriff bedeutet wörtlich „sich bewegende Hände“ und ist noch heute ein ringähnlicher Volkssport auf Okinawa. Historisch gesehen ist tegumi eine Ableitung aus den antiken asiatischen Ringformen (shuǎi, sumō) und wurde wahrscheinlich von Minamoto Tametomo, dem 8. Sohn von Minamoto Yoritomo (1146 - 1199) von Japan nach Okinawa gebracht. Die Schriftzeichen sind die gleichen, die heute benutzt werden, um die kanji für kumite zu schreiben.
  2. Te (de / ti / di) 手 (14. Jahrhundert)Bezeichnung für eine alte Selbstverteidigungsmethode auf Okinawa, die sich ab dem 14. Jahrhundert aus dem tegumi zu entwickeln begann. De (in tōde) ist eine phonetische Verzerrung von te und bedeutet sowohl im Chinesischen, als auch im Japanischen und im Okinawanischen „Technik“, „Kunstgriff“ bzw. „Hand“, „Arm“.
  3. Tōde (todi / tōte / tōti) 唐手 (15. Jahrhundert)„China-Hand“, Bezeichnung für die weiter entwickelte Selbstverteidigung auf Okinawa, die durch die Kombination des okinawanischen te und des chinesischen quánfǎ ca. im 15. Jahrhundert entstand. Hauptsächliche Beeinflussungen aus Kumemura durch die „36 Familien“. Erste okinawanische Erkenntnisse über die kyūsho.
  4. Okinawate (uchinādi) 沖縄手 (19. Jahrhundert)„Hand / Technik aus Okinawa“, Weiterentwicklung aus dem tōde, zum okinawate, im 18. Jahrhundert. Das gesamte System begann sich früh in shōrin ryū (shurite und tomarite) und in shōrei ryū (nahate) zu teilen und entwickelte viele okinawanische Stile (ryū).
  5. Karate 空手 (20. Jahrhundert)„Leere Hand“ (kara - leer; te - Hand), ein Begriff, der erst 1905 von Hanashiro Chōmo verwendet und später von Gichin Funakoshi in Japan verbreitet wurde. Unter dieser Bezeichnung entwickelten sich hauptsächlich die japanischen Wettkampfstile.

Im Pazifischen Ozean, zwischen Japan und Taiwan, liegt das aus etwa 140 Inseln bestehende Ryūkyū-Archipel mit seiner Hauptinsel Okinawa. „Okinawa“ bedeutet wörtlich „Tau im offenen Meer“. Die schmale Insel (ca. 100 km lang und 1200 km2 groß) gilt als Wiege des karate und kobudō. Die Ursprünge seiner Kampfsysteme gehen auf das Shaolin-Kloster in China zurück, wo Mönche ihre Philosophien zu Kampfmethoden perfektionierten und zu einer großen Blüte brachten. Von China aus verbreiteten sie sich über den gesamten asiatischen Raum. Dabei verbanden sie sich immer wieder mit den Kampfstile der jeweiligen Bevölkerung und entwickelten eigene Konzepte.

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